Chronische Hepatitis B

Die Hepatitis B ist ein typisches Krankheitsbild in unserem Krankengut. Die Infektion erfolgt über Blut, Blutprodukte, durch Nadelstichverletzungen oder über Sexualkontakte. Die Inzidenz der Erkrankung ist hoch. Es wird geschätzt, dass etwa 500 000 Patienten in Deutschland eine chronische Hepatitis B tragen. Bei einem großen Teil ist die Erkrankung unbekannt. Risikogruppen sind Patienten aus Hochrisikogebieten wie dem Mittelmeerraum oder ehemaligen Sowjetrepubliken sowie Asien, i.v. Drogenabhängige, Sextouristen, promiskuitive Hetero- oder Homosexuelle, Tätowierte und Dialysepatienten. Patienten aus Risikogruppen sollten auch bei normalen Transaminasenkonzentrationen auf eine Hepatitis B durch Bestimmung von Hbs-Antigen und Anti-HBc untersucht werden.
Die klinischen Symptome einer chronischen Hepatitis B sind oft nur gering ausgeprägt. Bei geringer oder milder entzündlicher Aktivität der Hepatitis herrscht meist Beschwerdefreiheit bei normal großer Leber. An Beschwerden werden Leistungsminderung, Müdigkeit und uncharakteristische Oberbauchschmerzen berichtet. Insbesondere bei höhergradiger oder schwergradiger entzündlicher Aktivität in der Leberbiopsie sind oft Leistungsminderung und Müdigkeit ein führendes Symptom, außerdem Appetitlosigkeit, Druckschmerz in der Lebergegend und Arthralgien. In entzündlichen Schüben können auch Ikterusphasen auftreten. Außerdem treten mit fortschreitender Lebererkrankung die typischen Zeichen von Lebererkrankungen mit größen- und konsistenzvermehrter Leber, Splenomegalie und Leberhautzeichen auf.
Komplikationen der chronischen Hepatitis B sind die Leberzirrhose mit den entsprechenden Komplikationen und das Auftreten eines hepato-zellulären Carcinoms.
Die notwendige Diagnostik beinhaltet eine umfangreiche Anamnese, insbesondere im Hinblick auf mögliche Infektionsquellen, eine Beurteilung des zeitlichen Verlaufes der Erkrankung, die Untersuchung zur Differentialdiagnose und dann die Bestimmung der Laborparameter mit den Virusmarkern HBs-Antigen, Anti-HBc, Anti-HBe, Hbe-Antigen und HBV-DNA. Eine Bestimmung des HBV-Genotyp erfolgt noch nicht standardmäßig. Auch eine quantitative Bestimmung des HBs-Antigen erfolgt noch nicht standardmäßig.
Je nach Befund, klinischen Beschwerden und Ultraschallbefund ist eine Prüfung der Indikation zur Durchführung einer Leberbiopsie ratsam. Auch Patienten mit normalen Transaminasen können bei einer chronischen Hepatitis B bereits fortgeschrittene Leberschädigungen mit Fibrosebildung aufweisen. Alle Patienten mit Hepatitis B werden auf Anti-HDV untersucht, da etwa 5% der HBV-Träger eine Simultaninfektion mit Hepatitis D aufweisen. Dies ist insbesondere bei Patienten aus Endemiegebieten wie dem Mittelmeerraum, Italien und Rumänien und dem vorderen Orient zu beachten.
Die Behandlungsindikation bei chronischer Hepatitis B unterliegt dem ständigen Wandel der sich verändernden Erkenntnisse in der Medizin. Derzeit wird eine Behandlung für erforderlich gehalten wenn die HBV-Konzentration 2000 Units/ml übersteigt und die Transaminasen erhöht sind oder wenn histologisch eine aktive Hepatitis oder höhergradige Fibrose nachweisbar ist.
Für die Behandlung der chronischen Hepatitis B Infektion stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Einerseits ist eine Behandlung mit Interferon in pegylierter Form möglich. Alternativ ist eine Behandlung mit Entecavir oder Tenofovir zu erwägen. Eine Primärtherapie mit Lamivudin sollte nicht mehr erfolgen. Patienten, die unter einer bestehenden Therapie mit Lamivudin beschwerdefrei sind und keine laborchemischen oder sonographischen Auffälligkeiten aufweisen, können eine bestehende Therapie fortsetzen.
Patienten mit einer chronischen Hepatitis B ohne Therapie oder auch unter auch unter einer medikamentösen Behandlung werden regelmäßig nachuntersucht. Die Untersuchungsintervalle sollten für alle 6 Monate empfohlen werden und eine Ultraschalluntersuchung, Bestimmung der Transaminasenkonzentrationen und der HBV-Konzentration enthalten. Außerdem ist eine aktuelle Anamnese im Hinblick auf krankheitsassoziierte Symptome oder neu aufgetretene Begleiterkrankungen erforderlich.
Im Weiteren verweisen wird auf die jeweils gültigen Leitlinien.


Informationen zur Ernährung bei Leberentzündung / Hepatitis