Eisenmangel

Eisenmangel gehört zu den häufigsten Mangelerscheinungen weltweit, etwa 30 %, also 2 Milliarden Menschen sind davon betroffen. Zu den Risikogruppen gehören vor allem Frauen. Doch auch der völlige Verzicht auf Fleisch- und Fischprodukte gefährdet die Versorgung mit dem Spurenelement.
Eisen ist ein essentielles Spurenelement, das der Körper nicht selber produzieren kann. Es ist vor allem wichtig für die Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin und damit den Sauerstofftransport, aber auch Bestandteil der Kraftwerke in den Zellen und von Enzymen. Da der Organismus pro Tag durchschnittlich 1–bis 2 mg Eisen verliert, muss dieses täglich mit der Nahrung zugeführt werden. Der Hauptanteil des Körpereisens unterliegt einem kontinuierlichen Recyclingprozess. Etwa 85% des Bluteisens ( Hämoglobineisen ) werden durch den Abbau überalterter roter Blutkörperchen ( Erythrozyten ) in den Makrophagen (“Fresszellen “ ) der Milz wieder zurückgewonnen und gespeichert. Bei Bedarf wird Eisen aus den Makrophagen über das Transporteiweiß ( Transferrin ) zu den Orten des Verbrauchs gebracht – z.B. Knochenmark für die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten-Synthese).

Aufnahme, Transport und Speicherung von Eisen
Das mit der Nahrung aufgenommene Eisen wird im Dünndarm ( Duodenum ) aufgenommen und im Blut an das Transporteiweiß Transferrin gebunden.
Transferrin transportiert das Eisen zu den Orten des Verbrauchs ( z.B. Knochenmark ) und zu den Eisenspeichern im Gewebe. Die Aufnahme des Eisens erfolgt in drei Schritten:

  • Oberflächliche Aufnahme in die Schleimhautzelle des Dünndarms
  • Eiweißvermittelter Transport innerhalb der Schleimhautzelle
  • Abgabe nach “Durchschleusung“ der Dünndarmschleimhautzelle ( Mukosazelle ) an das Transporteiweiß ( Transferrin ) im Blut

Ursachen des Eisenmangels
Das Nahrungseisen deckt allenfalls den normalen Bedarf. Ist dieser erhöht, z. B. in der Schwangerschaft oder bei starker Regelblutung, kommt es zu einem Eisenmangel. Daneben kann ein Missverhältnis zwischen Eisenbedarf und Eisenangebot auch andere Ursachen haben.

  • Erhöhter Bedarf: Während Schwangerschaft und Stillzeit ist der erhöhte Bedarf an Eisen in vielen Fällen nicht über die Nahrung auszugleichen. In diesem Falle ist die Einnahme von Eisentabletten nötig. Auch Kinder in der Wachstumsphase und Pubertät benötigen mehr Eisen.
  • Zu geringe Eisenzufuhr: Menschen, die keine tierischen Nahrungsmittel zu sich nehmen, haben oft einen erniedrigten Eisenspiegel. In pflanzlichen Nahrungsmitteln ist zwar genügend Eisen enthalten, jedoch liegt es in einer Form vor, die der Körper schlecht verwerten kann.
  • Eisenverlust: Starke Periodenblutungen, länger andauernde Blutungen durch Geschwüre oder chronische Entzündungen im Magen-Darm-Trakt oder blutende Hämorrhoiden führen zu einem Eisenverlust. Bei hoher sportlicher Belastung steigt der Verlust an Mineralstoffen und Spurenelementen über die Nieren und den Schweiß

Blutung aus einem Magenpolyp (links), Magengeschwür (rechts)

blutung-magengeschwuer

Symptome des Eisenmangels
Der Körper kann einen Eisenmangel über einen bestimmten Zeitraum kompensieren, allerdings treten in dieser Phase bereits Symptome wie spröde Haare und Nägel, trockene Haut, rissige Mundwinkel, Schleimhautveränderungen im Mund und der Speiseröhre und Zungenbrennen auf. Wird die Anzahl der sauerstofftragenden roten Blutkörperchen immer weniger, verschlechtert sich auch die Sauerstoffversorgung der Zellen. Hat der Körper also über längere Zeit zu wenig Eisen; kommt es zur Blutarmut (Anämie) mit den typischen Symptomen: andauernde Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und Konzentrationsschwäche, Blässe, Schwindel und Kopfschmerzen, Kribbeln in Händen und Beinen. Der Organismus wird allgemein anfälliger für Krankheiten.
So bekommen Sie genug Eisen

  • 3- bis 4-mal die Woche eine Portion mageres Fleisch
  • Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte wie Linsen oder weiße Bohnen liefern Eisen und andere wertvolle Mineralstoffe
  • Die Mahlzeiten mit Vitamin-C-reichen Gemüsen wie z. B. Paprika, Rosenkohl, Sauerkraut oder Kartoffeln kombinieren oder ein Glas Orangensaft zum Essen genießen.
  • Keinen Kaffee oder Tee zu eisenreichen Mahlzeiten trinken! Mindestens eine halbe Stunde Abstand halten!
  • Bei drohendem Eisenmangel Kräuterblutsaft ergänzend einnehmen!

Einen typischen Eisenmangel-Patienten gibt es nicht – jeder kann betroffen sein. Doch bei manchen Personengruppen ist das Risiko für einen Eisenmangel besonders groß: Frauen, insbesondere in Schwangerschaft und Stillzeit, Kinder und Jugendliche, Ältere, chronisch Kranke, Vegetarier, Ausdauersportler und Dauerblutspender. Diese sollten ihre Eisenwerte regelmäßig beim Arzt überprüfen lassen.

Frauen
Frauen haben im Vergleich zu Männern einen um 50 % höheren Bedarf an Eisen und sind aufgrund des Blutverlustes während der Menstruation stärker gefährdet, einen Eisenmangel zu entwickeln: Gerade junge Frauen mit starker Regelblutung zeigen daher relativ häufig entsprechende Symptome, da sich ihre Eisenspeicher besonders schnell leeren.
In der Schwangerschaft ist der Eisenbedarf noch höher. Die wachsende Gebärmutter mit der Plazenta und das Ungeborene müssen mit Sauerstoff versorgt werden; daher steigt der Eisenbedarf auf das 3fache an. Der größte Bedarf besteht im 2. und 3. Schwangerschaftsdrittel – im letzten Drittel liegt er mit 30 mg doppelt so hoch wie normal.
Fast 50 % der Frauen im gebärfähigen Alter sind nicht optimal mit Eisen versorgt. Die Eisenreserven sollten frühzeitig aufgefüllt werden, denn ein ausreichendes Eisendepot beeinflusst nicht nur das Allgemeinbefinden der werdenden Mutter positiv, sondern wirkt sich auch günstig auf die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes aus.

Kinder und Heranwachsende
Das Neugeborene bekommt bei der Geburt einen Teil des Eisenvorrates mit, der etwa 4 Monate reicht. Außerdem wird das Baby über die Muttermilch mit Eisen versorgt, wobei Milch leider generell wenig Eisen enthält. Eisen aus der Muttermilch kann vom Säugling zu 50 % genutzt werden. Spätestens ab dem 6. Lebensmonat sollte eine eisenreiche Beikost zugefüttert werden, denn auch bei Babys und Kleinkindern kann ein Eisenmangel bestehen. Als gute Eisenlieferanten gelten grüne Gemüse, kleine Fleischportionen und mit roten Obstsäften angereicherte Breikost. Bei kleineren Kindern besteht bei einer lange unentdeckten Eisenmangelanämie die Gefahr, dass die Intelligenzentwicklung und die Gehirnreifung beeinträchtigt werden.
Mit dem Größerwerden nehmen Muskelmasse und Blutmenge zu, damit steigt auch der Bedarf an Eisen. Rund 10 % aller Kinder im Wachstum leiden unter Eisenmangel und den typischen Symptomen wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche. Die Wachstumsschübe bei Schulkindern und die beginnende Menstruation bei jungen Mädchen sind die typischen Auslöser eines akuten Eisenmangels.

Ältere
Im fortgeschrittenen Alter kann der individuelle (Eisen-)Bedarf häufig nicht mehr gedeckt werden. Ältere Menschen haben nicht mehr so viel Appetit, die Nahrungszufuhr ist entsprechend reduziert und vielfach einseitig. Hinzu kommt, dass schlecht sitzende Gebisse den Genuss von Fleischmahlzeiten verleiden. Ein weiterer Grund für Eisenmangel im Alter ist die verminderte Aufnahme von Eisen durch Störungen im Magen-Darm-Trakt oder die Nebenwirkung von Medikamenten.

Kranke
Starke Blutverluste durch Unfälle, Verletzungen oder Magen-Darm-Geschwüre können ebenso wie die Einnahme von Schmerzmitteln oder kortisonhaltigen Medikamenten zur Folge haben, dass Eisen verloren geht.
Personen, die an chronischen Nierenerkrankungen, Mukoviszidose oder Magen-Darm-Erkrankungen leiden, haben meist zu wenig Eisen im Blut, weil es erst gar nicht vom Körper aufgenommen oder vermehrt ausgeschieden wird.
Funktioneller Eisenmangel bei chronischen Erkrankungen:
Blutarmut ( Anämie ) ist ein unabhängiger Risikofaktor bei chronischen Erkrankungen und mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert. Zu den Hauptursachen einer Anämie zählt der funktionelle Eisenmangel aufgrund der chronischen Entzündung. Chronisch kranke Patienten können einen erhöhten Eisenbedarf haben.
Das gilt für:

  • Chronisch Herzkranke ( Kardiologie )
  • Chronisch Nierenkranke ( Nephrologie )
  • Krebserkranke ( Onkologie )
  • Chronisch Magen- Darmkranke ( Gastroenterologie )
  • Chronische Lebererkrankungen ( Hepatologie – Leberzirrhose )

Vegetarier
Bei völligem Fleischverzicht gefährden wir auch unsere Gesundheit: Gemüse, Vollkornprodukte und Obst machen eine gesunde Ernährung aus – genügend Eisen liefern sie dem Körper jedoch nicht. Denn pflanzliches Eisen z. B. in Brot, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten ist nur schlecht bioverfügbar, d. h. der Körper kann dieses kaum aufnehmen. Tierisches Eisen dagegen, beispielsweise aus rotem Fleisch, kann der Körper besser verwerten. Vegetarier sollten deshalb darauf achten, pflanzliche Eisenlieferanten mit Vitamin C (z. B. einem Glas frisch gepresstem Orangensaft) zu kombinieren: Das erhöht die Eisenaufnahme noch einmal zusätzlich.
Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine Eisensubstitution, wobei sich Kräuterblutsäfte oder Dragees mit einer gut verwertbaren Eisen-II-Verbindung besonders bewährt haben. Diese Säfte sind mit blutbildenden Vitaminen und Pflanzenextrakten angereichert, alkohol- und zuckerfrei und daher auch für Kinder geeignet. Eine Eisenkur sollte zweimal jährlich durchgeführt werden.

Dauerblutspender und Ausdauersportler
Mit dem Blut wird dem Körper auch Eisen entzogen. Menschen, die regelmäßig Blut spenden, sollten daher vorbeugen: durch eine eisenreiche Ernährung oder die Einnahme von Eisenpräparaten.
Beim Eisen gelten für Intensiv-Sportler andere Bedingungen als für Nicht-Sportler: Bei intensivem Training liegen die Eisenwerte etwa 10 % unter Normalwert. Doch bereits ein leichter Mangel senkt die Leistungsfähigkeit, die Sportler werden schlapp und antriebslos. Sportler sollten sich von einem Arzt untersuchen lassen, um die individuell passende Therapie für sich zu finden.


Informationen zur Ernährung bei Eisenmangel