Gastrooesophageale Refluxkrankheit

Die gastrooesophageale Refluxkrankheit ist eine der häufigsten Erkrankungen in unserer Praxis im Hinblick auf die Diagnose und die durchgeführte Behandlung.

Etwa 20% der Bevölkerung der westlichen Industrieländer sind von einer gastrooesophagealen Refluxkrankheit (GERD) betroffen. Der Großteil der Patienten hat keine endoskopisch nachweisbaren Läsionen. Etwa 40% der GERD- Patienten haben endoskopisch nachweisbare Läsionen im Sinne von Erosionen, Ulcerationen, Strikturen oder Entwicklung eines Barrett-Oesophagus. Patienten mit einer gastrooesophagealen Refluxkrankheit und einer Barrett-Metaplasie haben ein erhöhtes Risiko ein Adenocarcinom der Speiseröhre zu entwickeln, so dass eine gute Behandlung der gastrooesophagealen Refluxkrankheit zur Linderung der Beschwerden bei Patienten erforderlich ist. Nicht zu vernachlässigen ist aber auch die Bedeutung der Behandlung im Hinblick auf eine Verringerung von möglichen Komplikationen dieser häufigen Erkrankung.

Die Erkrankung wird ausgelöst durch den Reflux von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre insbesondere häufig auftretend bei Störungen des Verschlusses des unteren Oesophagussphinkters (UÖS). Der saure Reflux führt zu einer Schädigung der Oesophagusmucosa, die dann zu den typischen klinischen Beschwerden führt. Patienten berichten häufig über Sodbrennen, ein Druckgefühl hinter dem Sternum, Aufstoßen oder Schluckbeschwerden. Teilweise komme es auch zu Regurgitation oder auftretenden epigastrischen Schmerzen und Brennen im Oberbauch. Oft beklagt wird auch ein salziger oder seifiger Geschmack im Mund, Übelkeit und Erbrechen. Zahlreiche weitere Symptome sind beschrieben. Typisch ist eine Verstärkung der Beschwerden durch Bücken, Pressen, Rückenlage, Anstrengung, Husten, Stress und bestimmten Nahrungsmitteln oder manche Arzneimittel.
Komplikationen der gastrooesophagealen Refluxerkrankung beinhalten das Auftreten von höhergradigen Ulcerationen, Blutungen und Stenosen der Speisröhre und das Auftreten einer Zylinderzellmetaplasie (Barrett-Syndrom) der Speiseröhre, die als Präkanzerose gilt.

Die Diagnose einer GERD geschieht durch eine ausführliche Anamnese bezüglich der Beschwerden der Patienten. Die Diagnose Refluxoesophagitis ist eine nur endoskopisch zu stellende Diagnose, die die Durchführung einer Magenspiegelung und Oesophaguskopie erforderlich macht. Bei Auftreten von Komplikationen sind PE aus der entsprechend veränderten Schleimhaut erforderlich.

Es gibt verschiedene Klassifikationen der gastrooesophagealen Refluxkrankheit nach Savary und Miller, MUSE nach Armstrong sowie die Los Angeles-Klassifikation.
Wir verwenden die Klassifikation nach Savary und Miller.

Die Durchführung einer Gastroskopie zur Diagnosesicherung erfolgt grundsätzlich bei Patienten über 45 Jahren mit Auftreten einer gastrooesophagealen Refluxkrankheit, bei anhaltenden Beschwerden, bei Auftreten von Komplikationen oder Warnzeichen wie z. B. Blutungen , Schluckbeschwerden, Gewichtsabnahme, Erbrechen und auch bei untypischen Beschwerden zur Abklärung von möglichen Differentialdiagnosen.

Die Behandlung der gastrooesophagealen Refluxerkrankung besteht einerseits aus Allgemeinmaßnahmen, die das Meiden auslösender Speisen beinhaltet. Ggf. sollte eine Gewichtsnormalisierung erfolgen. Häufig sind kleine fettarme Mahlzeiten hilfreich. Auslösende Noxen wie süße Speisen, säurehaltige Getränke, Nikotin, Alkohol, Kaffee sollten möglichst vermieden werden. Geringe positive Effekte sind auch durch ein Schlafen mit erhöhtem Oberkörper zu erzielen.

Die medikamentöse Behandlung der gastrooesophagealen Refluxkrankheit ist durch verschiedene Medikamente möglich. Mittel der ersten Wahl sind die sog. Protonenpumpeninhibitoren. Für diese Medikamente sind die höchsten Wirkungsraten im Hinblick auf Beschwerdefreiheit und Abheilung von entzündlichen Läsionen der Speiseröhrenschleimhaut beschrieben. Mittel der zweiten Wahl sind H2-Blocker. Weitere Mittel, die nur bei geringen gelegentlichen Beschwerden indiziert sind beinhalten Prokinetika und Antacida.

Eine Behandlung orientiert sich an den Symptomen oder dem festgestellten Grad der Refluxoesophagitis. Bei leichten Symptomen bis zur Refluxoesophagitis 1. Grades ist in der Regel eine 4-wöchige Therapie mit einem Protonenpumpeninhibitor in Standarddosis ausreichend. Anschließend kann eine Behandlung als Bedarfsmedikation fortgesetzt werden. Bei höhergradigen Stadien der Refluxoesophagitis ist in der Regel eine höhere Dosis und längere Therapiedauer erforderlich und wird von dem behandelnden Arzt für den jeweiligen Einzelfall festgelegt. Eine endoskopische Kontrolle bei höhergradigen Refluxoesophagitiden ist in der Regel zur Dokumentation der Abheilung bzw. zum Ausschluß des Auftretens einer Barrett-Metaplasie erforderlich und wird in unserer Praxis bei unkompliziertem Verlauf 3 Monate nach der Index-Gastroskopie empfohlen.