Glutensensitive Enteropathie (Zöliakie,Sprue)

Die Glutensensitive Enteropathie ist eine in unserem Krankengut relativ häufig vorkommende Erkrankung. Die Inzidenz wird mit 1 auf 500 pro Einwohner in Europa geschätzt. Es gibt eine familiäre Häufung.

Ätiologisch handelt es sich bei der Erkrankung um eine Unverträglichkeitsreaktion gegenüber der Gliadinfraktion des Gluten, eines Getreideproteins, bei genetisch entsprechend disponierten Personen. Die Erkrankung ist assoziiert mit bestimmten HLA-Typen, so z. B. HLA-DQ2. Die Gewebstransglutaminase ist das Autoantigen der antiendomysialen Antikörper und kann für die Diagnosesicherung in der Antikörpertestung genutzt werden.

Die klinischen Beschwerden der Glutensensitiven Enteropathie werden in 4 Gruppen eingeteilt. Zunächst die klassische, aktive Zöliakie, die durch Durchfälle, Gewichtsverlust und Zeichen des Malabsorptionssyndroms als Folge der chronischen Dünndarmentzündung gekennzeichnet ist. Es gibt atypische Verläufe von Zöliakie-Erkrankungen, bei denen gastrointestinale Symptome fehlen können. Hierzu gehört die Dermatitis herpetiformis Duhring. Drittens kommen asymptomatische Sprue-Patienten vor, bei denen ein positiver Antikörpernachweis und eine pathologische Dünndarmbiopsie ohne entsprechende Krankheitssymptome vorliegen. Eine potentielle Sprue wird dann angenommen, wenn ein Antikörpertest positiv ist, die Histologie der Duodenalbiopsie aber keine Sprue-typischen entzündlichen Veränderungen nachweist. Dies ist insbesondere bei Familienangehörigen von an Sprue erkrankten zu beobachten. Als Komplikation werden eine sekundäre Laktoseintoleranz aufgrund eines Laktasemangels und ein T-Zelllymphom des Dünndarms beschrieben.
Die Laborveränderungen beinhalten einen Nachweis von IgA-Endomysium-Antikörpern sowie IgA-Transglutaminase-Antikörpern, die als spezifischster Antikörpertest angesehen werden. Häufig sind auch leichte Transaminasenerhöhungen und auch Lipaseerhöhungen bei betroffenen Patienten vorhanden. Bereits als Komplikation zu werten, ist das Auftreten einer Eisenmangelanämie. Im Ultraschall finden sich häufig keine typischen Befunde, gelegentlich können bei ausgeprägten Dünndarmentzündungen vermehrte Flüssigkeitsfüllung einzelner Dünndarmschlingen mit verdickter Darmwand und vor- und rückwärtsgerichteter Peristaltik nachgewiesen werden.

Die Diagnose der Zöliakie erfolgt durch die histologische Untersuchung einer Dünndarmbiopsie mit Nachweis einer Zottenatrophie und Vermehrung intraepithelialer Lymphozyten wobei der IEL-Quotient > 40 pro 100 Epithelzellen sein sollte und dem positiven Nachweis von Anti-Transglutaminase-Antikörpern. Im Verlauf gehört eine Besserung der klinischen Beschwerden unter glutenfreier Diät zur Diagnosesicherung. Sollte die Diagnose unsicher sein, empfehlen wir die Durchführung einer Kontrollgastroskopie mit entsprechender Biopsie unter glutenfreier Ernährung gefolgt von einem Glutenbelastungstest mit nochmaliger Biopsie.

Die Behandlung der Erkrankung besteht in einer Diät. Es sollte eine konsequente, glutenfreie Diät eingehalten werden. Eine entsprechende Diätberatung, ist zu empfehlen. Eine Überweisung an eine entsprechende Fachabteilung (Ökotrophologie) erfolgt regelmäßig.
Die Prognose der Erkrankung ist unter diätetischer Therapie gut. Die klinischen Beschwerden sind meist vollständig rückläufig. Auch das Lymphomrisiko kann durch eine konsequente diätetische Therapie vermindert werden.


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