Reizdarmsyndrom (RDS)

Reizdarmsyndrom ( RDS )
Ein sehr häufiges Krankheitsbild in der industrialisierten Welt (10-15 % der Bevölkerung) ist das sog. Reizdarmsyndrom ( RDS ), von den symptomatischen Patienten sucht geschätzt nur jeder 2. einen Arzt auf.

Typische Symptome des Verdauungstraktes sind:

  • Abdominale Schmerzen ( Bauchschmerzen ) und Völlegefühl
  • Durchfall oder Verstopfung – häufig auch im Wechsel
  • Gefühl einer inkompletten Darmentleerung
  • Blähungen – häufig auch sehr schmerzhaft
  • abdominale Symptome treten in Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme auf
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Häufig klagen die Reizdarmsyndrompatienten begleitend noch über nicht Verdauungstrakt bezogene Symptome wie: Kopfschmerzen, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Angststörungen oder auch Rücken- und Gelenkbeschwerden.
Die Ausprägung und Intensität der Symptome werden direkt oder auch indirekt häufig von psychischen Faktoren beeinflusst, zudem ist die Wahrnehmung der Beschwerden und ihre persönlichen Konsequenzen ( Umstellung der Lebensgewohnheiten, Meidung von Belastungsreaktionen ) von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Das Reizdarmsyndrom ist sicher keine eingebildete Krankheit bzw. eine psychiatrische Erkrankung.
Auch wenn die Ursache des Reizdarmsyndroms bisher nicht vollständig geklärt werden konnte, dürfte doch ein Zusammenspiel multipler Faktoren entscheidend für die Manifestation dieser Erkrankung sein. Die Häufung funktioneller Magen-Darm-Erkrankungen in Familien weist zudem auf genetische Faktoren hin.
“Nach dem derzeitigen Wissenstand dürften Interaktionen zwischen erhöhter Sensitivität der Verdauungsorgane, gestörter Motilität ( Darmbewegungsstörungen ) und einer verminderten Barrierefunktion (z.B. Darmbakterien, Abbauprodukte verschiedenster Lebensmittel, Darmgase, mechanische und chemische Reizungen) die entscheidende pathogenetische ( krankmachende ) Rolle spielen“, so Prof. Andreas Stallmach, Jena.
Häufig finden sich in der Darmschleimhaut sog. inflammatorische ( entzündliche ) Veränderungen, dies scheint die Erklärung zu sein, warum die Symptome des Reizdarmsyndromes sich häufig im Anschluss an eine Darminfektion manifestieren.
Die Lebensweise ( insbesondere die Ernährungsgewohnheiten ) beeinflusst die Symptomatik des Reizdarmsyndroms nur in einem beschränktem Umfang, die Erkrankung wird nicht durch eine ungesunde Lebensweise – übermäßiger Alkhol-,Nikotin-, Kaffeekonsum –verursacht.
In jedem Dickdarm ( Colon ) finden sich Milliarden Bakterien und auch Pilze ( inkl. Candida ), diese Bakterien helfen die zugeführten Nahrungsmittel zu verdauen. Krankmachende Darmbakterien sind vom Arzt einfach durch Stuhluntersuchungen nachzuweisen. Auch ohne Antibiotika besitzt der gesunde Darm eine hohe Selbstheilungskraft. Ein gesicherter Zusammenhang zwischen der Menge an bestimmten nicht krankmachenden Darmkeimen ( physiologische Darmflora ), der Pilzmenge im Stuhl und dem Reizdarmsyndrom besteht nicht.
Das Reizdarmsyndrom ist keine Verlegenheitsdiagnose sondern kann erst nach präziser Ausschlussdiagnostik gestellt werden. Ein erhöhtes kolorektales Karzinomrisiko besteht nicht.

Basisdiagnostik bei Verdacht auf Reizdarmsyndrom:

  • Ausführliche Anamnese incl. Stuhlverhalten und Symptommuster
  • Körperliche Untersuchung
  • Die minimalste Labordiagnostik sollte ein Blutbild, Leberwerte, TSH-basal, BSG,CRP, Stuhl auf okkultes Blut und ein Urinstatus umfassen
    Stuhl auf pathogene Keime insbesondere bei Durchfall
  • Abdomensonographie
  • Koloskopie mit Biopsie-( Gewebe-) entnahme immer ab dem 50-zigsten Lebensjahr, in jüngeren Jahren je nach Familienanamnese, der Symptomatik und den erhobenen Befunden z.B. Eisenmangel.
  • Eine Magenspiegelung incl. tiefer Duodenalbiopsie kann bei der Ausschlussdiagnostik hilfreich sein z.B. Helicobacter pylori, Autoimmungastritis, Sprue oder Lambliennachweis ( Parasiten )
    Funktionsdiagnostik H2-Atemteste Laktose und Fruktose

Liegt eine Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel mit vermehrter Gasbildung vor, wird der Arzt durch geeignete Untersuchungen (z.B. Atemteste) diese nachweisen oder ausschließen.

Die medikamentöse Therapie muss symptomorientiert erfolgen, kein bis heute verfügbares Medikament bewirkt eine Heilung des Reizdarmsyndroms, verschiedenste Medikamente sind in der Lage, eine Besserung der Symptomatik zu erzielen.

Reizdarmsyndrom-symptom-tab

Psychotherapeutische Verfahren sind vor allem bei Patienten aussichtsreich, bei denen psychosoziale Belastungen an der Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptomatik beteiligt sind. Die psychiatrische Mitbetreuung sollte in die gastroenterologische Behandlungsführung gut integriert sein, wichtig ist eine stabile Arzt / Patientenbeziehung.


Hinweise für Patienten
http://www.reizdarmselbsthilfe.de/

Dt. Reizdarmselbsthilfe e.V.
Gemeinnütziger Verein
Postfach 70 02 18
60552 Frankfurt am Main
Tel: 01805 / 896106
Fax: 069-71377886
E-Mail: info@reizdarmselbsthilfe.de

Umfassende Literatur insbesondere für Ärzte:
Layer P et al. S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) Z Gastroenterol 2011; 49: 237–293

www.dgvs.de ( Leitlinien der DGVS – Reizdarm )